Nummerierte Gesichter

2020



>>Ich lerne sehen. Ich weiß nicht, woran es liegt, es geht alles tiefer in mich ein und bleibt nicht an der Stelle stehen, wo es sonst immer zu Ende war. Ich habe ein Inneres, von dem ich nicht wußte. Alles geht jetzt dorthin. Ich weiß nicht, was dort geschieht.<<1

1. Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte, Suhrkamp, 2000




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In diesem Projekt habe ich versucht Gesichter in mehreren Tagen zu sehen, zu betrachten und zu malen. Interessant war daran, daß zwar die Sitzpositionen und möglicherweise das Licht gleich war, aber eben doch nicht. Ganz und gar nicht. Früher habe ich immer an einem Tag für mehrere Stunden nach einem Model gearbeitet, eben weil ich diese Angst gehabt habe, daß das Gesicht des Models sich ändert, sobald er/sie mein Atelier verlässt. Ich habe mich aber von dieser Angst gelöst. Ich hatte Recht. Das Gesicht wird sich doch ändern, aber in jeder Sekunde, durch jeden Affekt, der schneller als jegliches Gefühl ist und sogar vor jeder Angst steht! Ich konnte aber irgendwann diese Gesichter nicht mehr erkennen und dadurch auch nicht benennen. Was man benennen kann, vermag sich nicht zu bestechen. Die Unfähigkeit etwas zu benennen, ist ein sicheres Zeichnen für innere Unruhe. In diesem Projekt unternehme ich den Versuch, über die Akzeptanz der „Unfähigkeit meiner Wahrnehmung“, mein schöpferisches Tun zu aktivieren und zu transformieren.

Nummer 5, 20*20, Öl auf Leinwand, 2020
Nummer 0, 20*20, Öl auf Leinwand, 2020
Nummer 11, Öl auf Leinwand, 20*30, 2020